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2008

Eine umgekehrte Pyramide in der Erde

Fürstengräber der Xiongnu in Noin-Ula, Mongolei

Projektleitung

Prof. Dr. Natalia Polosmak

English summary

The name Xiongnu denotes one of the most powerful tribal alliances of mounted nomads, who founded the first great nomad empire between the 3rd and 4th centuries BC. Their greatest foe was the Chinese Han Dynasty, whose documents are the only written sources we have about the Xiongnu. In the 1920s Russian archaeologists found six princely tombs in Noin-Ula, Northern Mongolia, which contained remarkably well-preserved finds. Since 2006 a team of archaeologists led by Professor Natalia Polosmak returned to the site, now working with the most up-to-date methods. The team excavated the graves, which are built like upside-down pyramids pointing nine to 18 meters down into the ground, by hand, layer by layer, in order to get accurate details for the first time. During the excavation campaign, the remains and the entire contents of the wooden coffins were removed in one piece, in order to ensure the organic material in particular remained in the best possible state for further processing. In the summer of 2012 Professor Polosmak continued her work in Mongolia and excavated the last kurgan as part of an archaeological salvage dig – conditions for the preservation of organic finds were becoming less favourable due to global warming and the increase of industrialisation in the region.

Der Name Xiongnu bezeichnet einen Verbund von Reiternomaden, die zwischen dem dritten und vierten Jahrhundert v. Chr. über ein Imperium in Zentralasien und Südsibirien herrschten. Die oft auch als „asiatische Hunnen“ bezeichneten Xiongnu waren mächtige Gegner des chinesischen Han-Reiches – und nur in den schriftlichen Quellen der Han-Chinesen sind überhaupt Informationen über die westlichen Nachbarn überliefert. Die Entstehung, die Herrschaftsstrukturen und das soziale und religiöse Leben des Nomadenreiches der Xiongnu lagen daher lange weitestgehend im Dunkeln.

Als russische Archäologen in den 1920er Jahren sechs Fürstengräber (Kurgane) der Xiongnu auf dem Friedhof von Noin-Ula in der nördlichen Mongolei ausgruben, war dies eine archäologische SensationIm strengen Klima der Berge kamen hervorragend erhaltene Grabbeigaben zutage – darunter auch seltenes organisches Material, das nach so langer Zeit normalerweise nicht mehr erhalten ist. Zwischen neun und 18 Meter reichen die Grabschächte in die Tiefe, die zu zwei massiven, ineinander gestellten Holzbalkenkammern führen, die das eigentliche Grab beinhalten. Im strengen Klima der Berge kamen hervorragend erhaltene Grabbeigaben zutage – darunter auch seltenes organisches Material, das nach so langer Zeit normalerweise nicht mehr erhalten ist. Die Funde – Filzteppiche, Keramik, Bogenteile und Pfeilspitzen, Lampen und Spiegel aus Bronze, Lacktassen, Seidenstoffe und Goldplatten – sind heute in der Eremitage in St. Petersburg ausgestellt. Sie belegen Kontakte der Xiongnu mit Kulturen im Westen und zeigen, dass es sich um ein von einem Fürsten geführtes Vielvölkerreich handelte.

2006 kehrte ein Team russischer Archäologen unter Leitung von Prof. Dr. Natalia Polosmak nach Noin-Ula zurück und setzte die Arbeiten in den folgenden Jahren fortSchicht für Schicht gruben sie von Hand die wie eine umgekehrte Pyramide in die Erde eingebauten Gräber aus. Mit den heutigen Methoden der Archäologie konnten die Forscher dem Boden weit mehr Informationen entnehmen als die Kollegen zuvor: Schicht für Schicht gruben sie von Hand die wie eine umgekehrte Pyramide in die Erde eingebauten Gräber aus und erfuhren dabei erstmals Details über deren Konstruktion, die Abläufe des Baus und der Beerdigungen sowie die Wege von Plünderern. Die schonende, aber auch sehr arbeits- und zeitintensive Vorgehensweise ermöglichte es, Abdrücke vergangener Materialien im Boden zu sichern, darunter auch farbig lackierte Speichenräder von Streitwagen, die den Herrschern mit ins Grab gegeben wurden.

Um insbesondere das empfindliche organische Material zu schonen, entnahmen die Archäologen die Überreste des gesamten Holzsarges jeweils in einem Stück und brachten dieses zur weiteren Bearbeitung an das Institut für Archäologie und Ethnographie an der Russischen Akademie der Wissenschaften in Novosibirsk. Die erheblich beschädigten Grabbeigaben wurden dort mit speziellen, teilweise weltweit erstmals angewandten Verfahren für Restaurierung und Konservierung behandelt und für die anschließende Ausstellung in mongolischen Museen vorbereitet.

Im Sommer 2012 begab sich Natalia Polosmak ein letztes Mal nach Noin-Ula. Die Bedingungen für archäologische Forschung hatten sich dort so erheblich verschlechtert, dass sie bei der Gerda Henkel Stiftung eine Notgrabung beantragte: Die Erderwärmung führt dazu, dass die Voraussetzungen für den Erhalt organischen Materials in der Mongolei generell ungünstiger werden – ein Lauf gegen die Zeit. Die zunehmende industrielle Nutzung der Region bringt kurzfristig weitere Gefahren mit sich. Zudem entwenden illegale Goldsucher die oft goldhaltigen Steine, die die Gräber markieren.

Die Erderwärmung führt dazu, dass die Voraussetzungen für den Erhalt organischen Materials in der Mongolei generell ungünstiger werden

Im letzten großen Kurgan von Noin-Ula fanden die Archäologen Silberschmuck mit Abbildungen von Einhörnern für Pferdegeschirre, Reste chinesischer Wagen und Fragmente aus Wolle, Seide, Filz und Pelz – weitere 100 Objekte, die das längst vergangene Reich der Xiongnu und ihrer Fürsten eindrucksvoll ans Licht holen.

Die Schätze der Xiongnu – die Video-Reihe bei L.I.S.A.

L.I.S.A. - das Wissenschaftsportal der Gerda Henkel Stiftung widmete den Grabungs- und Restaurierungsarbeiten zwei mehrteilige Videoreihen.

Projektinformationen

Projekttitel Royal Xiongnu tomb in the Noin-Ula Mountains in northern Mongolia
Projektleitung   

Prof. Dr. Natalia Polosmak

Institution Russische Akademie der Wissenschaften, Novosibirsk
Fachbereich Archäologie
Datierung 2200 v. Chr.

Karte

Projektort
   
Projektleitung
Prof. Dr. Natalia Polosmak

2003

Das Aufblühen eines Orchideenfachs

 

1998

Das Erbe des Wettergottes