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Gelebter Glaube

Alltag und Frömmigkeit am Vorabend der Reformation in Mitteldeutschland

Antragsteller

Dr. Thomas T. Müller

English summary

Very little is known about the piety in central Germany, the origin of the Reformation. To fill this research gap and correct the image of piety in this region, Dr Thomas T. Müller, director of the Mühlhäuser Museums, applied for funding at the Gerda Henkel Foundation, for his research project. In collaboration with the church historian, Dr Hartmut Kühne, he began to look for traces of pre-Reformation piety in the inventories and museum catalogues in Thuringia, Saxony and Saxony Anhalt, from which they attempted to reconstruct the everyday life and the practice of piety around the year 1500.

The results of the project shed new light on the eve of the Reformation: the time around the year 1500 is a phase of the quantitative expansion of the life of piety, of which there are still rich testimonies. The researches culminated in a scientific conference at the University of Leipzig and 2013 in a much-viewed exhibition titled “Umsonst ist der Tod”, which was presented in Mühlhausen, Magdeburg and Leipzig.

Lange Zeit wurde angenommen, Martin Luther habe seine 95 Thesen als Reaktion auf eine kirchliche und religiöse Krise verfasst. Die Jahrzehnte vor der Reformation galten als eine von klerikalen Missbräuchen, kirchlicher Unordnung und allgemeiner sozialer Unruhe geprägte ZeitWelchen Einfluss hatte Gottesgläubigkeit auf das Leben der Menschen zur Zeit Martin Luthers?. Neuere Forschungen bezweifeln jedoch, dass sich diese Krisenphänomene auf die Frömmigkeit ausgewirkt haben und betonen stattdessen die zunehmende Bedeutung und Vielfalt von Religiosität zu jener Zeit.

Besonders über die Frömmigkeit in Mitteldeutschland, dem Ursprungsland der Reformation, weiß man jedoch bislang nur wenig. Welchen Einfluss hatte Gottesgläubigkeit auf das Leben der Menschen zur Zeit Martin Luthers? Welche Bedeutung hatten Frömmigkeit und Kirche im Alltag verschiedener gesellschaftlicher Gruppen? Kurz, in welchem Umfeld entstand die Reformation? Eine Erforschung dieser Fragen wurde dadurch erschwert, dass der spätere protestantische Einfluss in der Region frühere Formen der Frömmigkeit überlagert zu haben schien. Zudem wurde infolge des Nationalsozialismus und der Teilung Deutschlands eine grundlegende historische Erforschung des Themas in Mitteldeutschland verhindert.

Diese forschungsgeschichtliche Leerstelle zu füllen und das daraus resultierende Bild zu korrigieren, stand im Mittelpunkt eines Forschungsprojekts, mit dem sich Dr. Thomas T. Müller, Direktor der Mühlhäuser Museen, an die Gerda Henkel Stiftung wandte. Für das ab 2010 geförderte Vorhaben machte er sich in Zusammenarbeit mit dem Kirchenhistoriker Dr. Hartmut Kühne auf, Spuren der vorreformatorischen Frömmigkeit in den Inventaren und Museumskatalogen in Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt zu suchen, aus denen sich Alltag und Frömmigkeitspraxis der Menschen um 1500 rekonstruieren lassen.

Die umfangreichen Recherchen brachten viele Objekte ans Licht, die bis dahin nicht umfassend erforscht worden waren. Die Ergebnisse des Projekts werfen ein neues Licht auf den Vorabend der Reformation: die Zeit um 1500 stellt sich als eine Phase der quantitativen Ausweitung des Frömmigkeitslebens heraus, von dem es auch heute noch reichhaltige Zeugnisse gibt. Angesichts der Fülle an Objekten, verlagerte sich der Fokus des Projekts in der Folge von einer reinen Dokumentation zu einer exemplarischen Beschreibung und Einordnung einzelner Fundstücke und ihrer Funktion innerhalb bestimmter Lebenskontexte. Diese Beispiele ordnete Hartmut Kühne mehreren Themenfeldern zu – von der Pfarrkirche über die Laienfrömmigkeit bis zum Ablass.

Die Recherchen mündeten 2012 in eine wissenschaftliche Tagung an der Universität Leipzig und 2013 in eine vielbeachtete Ausstellung mit dem Titel „Umsonst ist der Tod“, die in Mühlhausen, Magdeburg und Leipzig präsentiert wurde. Auch eine für das Wissenschaftsportal L.I.S.A. produzierte Filmreihe, die das Projekt begleitete, traf auf große Resonanz und erfuhr im Folgejahr eine Fortsetzung.

Himmlische Fundgrube - Die Videoreihe bei L.I.S.A.

Projektinformationen

Projekttitel Alltag und Frömmigkeit am Vorabend der Reformation. Ein Projekt zur Erschließung von Sachzeugen zur alltäglichen Frömmigkeitspraxis in Mitteldeutschland
Antragsteller    Dr. Thomas T. Müller
Projektleiter Dr. Hartmut Kühne
Fachbereich Mittelalterliche Geschichte
Datierung 1400 n. Chr.

Karte

Projektort/Projektleitung
Dr. Hartmut Kühne
Dr. Thomas T. Müller

Titelbild: Pax- bzw. Kusstafel, Mitteldeutschland, um 1450 [Foto: Tino Sieland / Mühlhäuser Museen]

     Foto Dr. Thomas T. Müller: Tino Sieland / Mühlhäuser Museen

1980

Mit dem VW-Bus durch England

 

2015

Ein Zuhause für die Götter