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Mare Nostrum

1992

Die verschwundenen Burgen des Breisgaus

Erfassung und Untersuchung der mittelalterlichen Breisgauer Burgen

Projektleitung

Prof. Dr. Thomas Zotz
Prof. Dr. Alfons Zettler

English summary

During the Middle Ages, the German region "Breisgau" was much larger than today and profited from commerce in the Rhine region and silver mining in the Black Forest. Until recently, however, the Breisgau was not regarded as an area of many medieval castles, because the research studies focused on the neighbouring regions for a long time. Only a few castles have survived the centuries and for many castles, we only have written sources. With the help of the Gerda Henkel Foundation, Professor Thomas Zotz and Professor Alfons Zettler initiated a project to make these castles visible again. They began tracing the Breisgau castles in 1991, often using interdisciplinary approaches. The project’s results will be published in a four-volume catalogue – three volumes have been completed so far, the fourth still being worked on.

Der Breisgau umfasste während des Mittelalters ein wesentlich größeres Gebiet als heute. Fürsten, Städte und Klöster profitierten vor allem vom florierenden Handel in der Rheinebene sowie vom einträglichen Silberbergbau im Schwarzwald. Dennoch galt der Breisgau, anders als das benachbarte Elsass und die Nordschweiz, lange nicht als ausgesprochene Burgenlandschaft. Diese Annahme war vor allem auf die weit fortgeschrittene Burgenforschung in den Nachbargebieten zurückzuführen und gilt inzwischen als widerlegt.

Nur wenige Burgen des mittelalterlichen Breisgaus überstanden die bewegten Jahrhunderte der Frühen Neuzeit, daher war die Anzahl der bekannten Burgen links des Rheins bislang deutlich höher und ihr Erhaltungszustand besser. Einem kleinen Bestand von mehr oder minder gut erhaltenen Ruinen steht eine beträchtliche Anzahl von Burgen gegenüber, von denen nur noch schriftliche Aufzeichnungen und Flurnamen Zeugnis geben.

Um dieses Bild des Breisgaus zu korrigieren und sämtliche Burgen wieder „sichtbar“ zu machen, werden im Rahmen eines von der Gerda Henkel Stiftung geförderten, interdisziplinär angelegten Forschungsprojekts seit 1991 alle mittelalterlichen Burgen im Breisgau erfasst und historisch, archäologisch und gegebenenfalls baugeschichtlich untersucht. Das Forschungsziel des Projekts, das unter der Leitung der Historiker Prof. Dr. Thomas Zotz von der Albert-Ludwigs-Universität in Freiburg und Prof. Dr. Alfons Zettler von der Technischen Universität Dortmund steht, war und ist die Erstellung einer wissenschaftlichen Bestandsaufnahme über die Bastionen des nördlichen sowie südlichen Breisgaus in Form einer vierbändigen Publikationsreihe, die unter anderem einen reich illustrierten Katalog sämtlicher sichtbarer und nicht mehr erhaltener Burgen und Burgstellen des Breisgaus in dessen mittelalterlichen Ausmaßen enthält.

Während seiner Untersuchungen musste das Forscherteam nicht selten neue, interdisziplinäre Wege gehen und zeitintensives Quellenstudium vor Ort betreibenDas Forscherteam musste nicht selten neue, interdisziplinäre Wege gehen und zeitintensives Quellenstudium vor Ort betreiben.. Auch detektivischer Spürsinn war oftmals gefragt. Sind nur noch Ruinen zu sehen, stehen die Forscher vor der Aufgabe, aus Quellen und Beschreibungen Rückschlüsse auf den Aufbau und die Funktion der Burgteile zu ziehen. Auf dem Freiburger Schlossberg beispielsweise war einst das im Breisgau vorherrschende Adelsgeschlecht der Herzöge von Zähringen ansässig. Von der Burg ist heute allerdings nur noch wenig übrig. Durch die Ausmessung der massiven Mauerwände kann allerdings auf eine ehemals ausgedehnte Anlage geschlossen werden. Auch auf den ersten Blick völlig unauffällige Plätze wie der Freiburger Ortsteil St. Georgen gaben dem geschulten Blick des Projektteams Hinweise auf eine ehemalige Wasserburg, von der heute keine materielle Spur mehr erkennbar ist.

Nachdem sich die ersten beiden Teilbände von 2004 und 2006 auf den Bereich des nördlichen Breisgaus konzentrierten, in dem 135 mittelalterliche Burgen zu berücksichtigen waren, widmete man sich in den folgenden Jahren dem SüdenDa für den südlichen Teil des Breisgaus bis dato keine fundierte Forschung stattgefunden hatte, war in vielen Fällen Pionierarbeit vonnöten.. Da für den südlichen Teil des Breisgaus bis dato keine fundierte Forschung stattgefunden hatte, war in vielen Fällen Pionierarbeit vonnöten. Zahlreiche neue Burgbelege aus archivalischen Quellen wurden so erst für die künftige Forschung nutzbar gemacht. Das Team aus Historikern sichtete hierfür die in jüngerer Zeit erschienene ortsgeschichtliche und archäologische Literatur sowie Denkmalamtsakten und legte Forschungslücken offen, die seit der Erstellung der Vorarbeiten bestanden. Gerade im südlichen Untersuchungsgebiet hat sich eine größere Zahl bedeutender Burganlagen als Ruinen erhalten. Neben den größeren Anlagen existierte auch eine Vielzahl kleinerer Burgen, die nicht zu einem Herrschaftszentrum aufgestiegen waren. Fundmaterial von verschiedenen Burgstellen wurde erstmalig in Form von Zeichnungen vorgelegt und damit der Forschung zugänglich gemacht. Im Zuge der Recherchen gelang es weiterhin, die bislang verschollen geglaubte Dokumentation von Grabungen an der 1956 gesprengten Neuenburg bei Kleinkems ausfindig zu machen und sie erstmalig der Öffentlichkeit vorzustellen.

Der dritte Band des Breisgauer Burgenprojekts erschien im Jahr 2009. Im März desselben Jahres fand in Bolschweil-St. Ulrich im Schwarzwald eine Fachtagung zum Thema „Burgen im mittelalterlichen Breisgau. Aspekte von Burg und Herrschaft im interdisziplinären und überregionalen Vergleich“ statt. Die Tagung bot 120 nationalen und internationalen Expertinnen und Experten die Möglichkeit, die bisherigen Forschungsergebnisse zu diskutieren. Die Forscherinnen und Forscher aus den Fachgebieten Geschichte, Archäologie und Kunstgeschichte tauschten sich vor allem über Unterschiede und Parallelen des Breisgauer Burgenprojekts mit anderen historischen Landschaften wie dem Elsass und der Schweiz aus.

Der vierte und letzte Band der Buchreihe ist noch in Arbeit. Aus mehreren laufenden Dissertations- und Forschungsprojekten gingen immer wieder umfangreiche Hinweise auf neu zu untersuchende Burgstellen ein, die ursprünglich nicht berücksichtigt worden waren. Auch die hoch auflösenden Satellitenbilder, die zum Zeitpunkt der ersten Projektjahre noch nicht existierten, eröffnen der Burgenforschung immer wieder neue Möglichkeiten, das Bild des mittelalterlichen Breisgaus zu ergänzen.

Im Jahr 2010 wurde auf dem Wissenschaftsportal L.I.S.A. durch ein professionelles Filmtagebuch ein dokumentarischer Einblick in die Arbeit der Burgenforschung ermöglicht.

Das versunkene Burgenland – Die Video-Reihe bei L.I.S.A.

Projektinformationen

Projekttitel Die Burgen im mittelalterlichen Breisgau
Projektleitung   

Prof. Dr. Thomas Zotz
Prof. Dr. Alfons Zettler

Institution Universität Freiburg, Technische Universität Dortmund
Fachbereich Geschichte
Datierung 900 n. Chr.

Karte

Projektort
   
Projektleitung
Prof. Dr. Thomas Zotz
Prof. Dr. Afons Zettler

Titelbild: Schloss Inzlingen bei Lörrach, Ansicht der Wasserburg von Süden

[Bildquelle:

Boris Bigott

]

1985

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2004

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