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1996

Antikes Wohnen

Stadtkultur in der römischen Kaiserzeit

Projektleitung

Prof. Dr. Paul Zanker
Prof. Dr. Valentin Kockel
PD Dr. Richard Neudecker

English summary

Cities as cultural spaces are an elementary part of social life. It had already been like that in times of the Romans. But for a long time, only a few research works focused explicitly on the role of Roman city culture. To concentrate more on this research field, a research focus was established at the German Archaeological Institute in Rome (DAI Rom) in 1997. Its aim was exploring the urban space. The project was granted by the Gerda Henkel Foundation with a sum of one million Deutsche Mark. The project leaders Professor Paul Zanker, Professor Valentin Kockel and Dr. Richard Neudecker wanted to counteract the classical archaeology’s tendency of becoming more and more fragmented and specialised. Their focus was mainly on the whole city as a living space. Within this priority fund, archaeological and historical studies were financed, which concentrated on the importance of urban space for the Roman population in the Emperor era. Especially for that time there was a big research gap, because the focus until then commonly centered on the Republican times. As a part of the priority fund, the function of urban architectures and in particular the meaning of images was the focus part of their research interests. How did people perceive the specific cities? Which spaces for actions and experiences did the cities provide to their inhabitants? Which signs marked public and private spheres? What did spaces for religious cultures look like?

20 dissertation projects, guided by seminars and colloquies, were granted as a part of the research priority within a period of four years. The theses by Dr. Pia Kastenmeier and Professor Katharina Lorenz shown below are exemples of the projects conducted by the help of the priority fund.

Städte sind als kultureller und politischer Raum elementarer Teil des gesellschaftlichen Lebens – das war bereits bei den Römern so. Lange Zeit beschäftigten sich jedoch wenige Forschungsarbeiten explizit mit der Rolle der römischen Stadtkultur. Um den Fokus verstärkt auf dieses Forschungsfeld zu richten, wurde im Jahr 1997 am Deutschen Archäologischen Institut Rom (DAI) ein Schwerpunkt zur Erforschung des Stadtraums eingerichtet, der von der Gerda Henkel Stiftung mit einer Million D-Mark gefördert wurde. Die Projektleiter Prof. Dr. Paul Zanker, Prof Dr. Valentin Kockel und PD Dr. Richard Neudecker wollten einer immer kleinteiliger werdenden Spezialisierung in der klassischen Archäologie entgegenwirken. Ziel war es, die Stadt als Lebensraum in seiner Gesamtheit in den Blick zu nehmen.

Innerhalb des Forschungsschwerpunkts wurden archäologische und historische Studien gefördert, die nach der Bedeutung des Stadtraums für die römische Bevölkerung in der Kaiserzeit fragten. Gerade für diesen Zeitraum bestanden große Forschungsdefizite, da der Fokus in der Forschung oft auf die Zeit der Republik gelegt worden war. Im Rahmen des Schwerpunkts wurden die Funktion städtischer Architekturen und insbesondere die Bedeutung von Bildern in den Blick genommen. Wie nahmen die Menschen die jeweiligen Städte wahr? Welche Handlungs- und Erlebnisräume boten damalige Städte ihren Bewohnern? Welche Merkmale kennzeichneten öffentliche und private Räume? Wie sahen Räume für religiöse Kulte aus?

Über einen Zeitraum von vier Jahren wurden im Rahmen des Schwerpunkts 20 Dissertationsprojekte gefördert, die von Seminaren und Kolloquien begleitet wurden. Zu den zahlreichen Vorhaben zählten auch die Doktorarbeiten von Dr. Pia Kastenmeier und Prof. Dr. Katharina Lorenz, die im Folgenden exemplarisch vorgestellt werden.

Dr. Pia Kastenmeier: „Wohnen und Wirtschaften im pompejanischen Stadthaus"

Dr. Pia Kastenmeier widmete sich in ihrer Dissertation Aspekten des Wohnens und Wirtschaftens in der Region Pompeji. In der Studie werden "Wirtschaften" als die Summe aller Tätigkeiten verstanden, die zur Gewährleistung der Grundfunktionen eines Haushalts notwendig waren. Die Grundlage der Arbeit bildet die Auswertung schriftlicher Quellen, zahlreicher pompejanischer Wohnhäuser, ausgewählter Villen und Gutshöfe im Vesuvgebiet sowie der mobilen Ausstattung der Wirtschaftsräume. Auf diese Weise zeigt Dr. Kastenmeier, wie Wirtschaftsräume in ein zusammenhängendes, gleichzeitiges System räumlicher Strukturen innerhalb des Wohnhauses und des gesamten urbanen Raums einbezogen waren.

Integrativer Bestandteil nahezu aller pompejanischen Wohnhäuser war ein Küchenraum mit eingebauter Latrine. Eine Aufstockung des Wirtschaftsbereichs um Keller, Stall, Stau- und Schrankräume, Räume für das Personal oder spezielle Ausstattungselemente waren von architektonischen, sozialen oder ökonomischen Faktoren – wie Hausgröße, Baugeschichte, den persönlichen Bedürfnissen der Hausbesitzer oder der Einbeziehung von Handel und Gewerbe – abhängig. Alle Wirtschaftsräume hatten jedoch ihre faktische und formale Trennung vom übrigen Wohnbereich gemein. Sie wurden häufig in Resträumen des Wohnareals untergebracht und möglichst an einer Stelle im Haus konzentriert. Die meist kleinen Räume waren rein funktional ausgestattet und wurden, abgesehen von den Bildern der schutzgebietenden Haushaltsgötter, mit keinerlei Schmuck oder Dekor versehen. Dieser pragmatische Umgang mit den Räumen der hauswirtschaftlichen Arbeit bestätigt die Hierarchisierung der Architektur und ihrer Akteure im römischen Alltag.

Eine überarbeitete und ins Italienische übersetzte Fassung der Dissertation erschien 2007 mit dem Titel "I luoghi del lavoro domestico nella casa pompeiana" als 23. Band der "Studi della Soprintendenza archeologica di Pompei".

Prof. Dr. Katharina Lorenz: „Bilder machen Räume. Mythenbilder in pompeianischen Häusern“

Prof. Dr. Katharina Lorenz beschäftigte sich in ihrer Dissertation mit der Bedeutung von Mythenbildern als strukturierendem Element und als Werkzeug der Kommunikation innerhalb des Wohnbereichs der frühen Kaiserzeit. Sie konzentrierte sich dabei insbesondere auf die gesellschaftliche Dimension der Bilder. Am Beispiel von 580 Mythenbildern aus Häusern in Pompeji entwickelte sie ein Modell zur kontextuellen Beziehung zwischen Betrachtern und Objekten. Ihre Untersuchung bietet gleichzeitig eine Vorstellung davon, wie sich die für die Römer so charakteristische Funktionalisierung von Mythen seit dem ersten Jahrhundert gewandelt hat. Professor Lorenz beschreibt, wie in anderen Kontexten, beispielsweise auf Sarkophagen oder in Mosaiken, bei der Verwendung des medialen Trägers »Mythos« gerade seit dem zweiten Jahrhundert auf bereits schon früher verfestigte Strategien zurückgegriffen wurde bzw. welche Aspekte verändert wurden oder in Vergessenheit gerieten. Übergreifendes Ziel der Dissertation war es, mit Hilfe einer bildwissenschaftlichen Modellanalyse einen zentralen Befund aus dem Bereich der Klassischen Archäologie mittels moderner kunsthistorischer und -soziologischer Analyse zu durchdringen. Auf diese Weise sollte die Studie auch einen Beitrag zu einer Geschichte des Sehens leisten.

Methodisch stützte sich Prof. Lorenz auf eine Kombination aus den Ansätzen der archäologischen und kunsthistorischen Analyse (Ikonographie, Ikonologie, Hermeneutik) und den Möglichkeiten der Rezeptionsästhetik, der Narratologie und der Architektursoziologie. Dies ermöglichte, anhand der Beschreibung der Innendekoration Aussagen über die Atmosphäre in den einzelnen Räumen und Bereichen des römischen Wohnhauses zu machen.

Die Dissertation erschien 2008 unter dem Titel „Bilder machen Räume. Mythenbilder in pompejanischen Häusern“ im Verlag Walter de Gruyter.

Projektinformationen

Projekttitel Stadtkultur in der römischen Kaiserzeit
Projektleitung   

Prof. Dr. Paul Zanker
Prof. Dr. Valentin Kockel
PD Dr. Richard Neudecker

Institution Deutsches Archäologisches Institut (DAI) Rom
Fachbereich Archäologie
Datierung 27 v. Chr.

Karte

Projektort
   
Projektleitung
Prof. Dr. Paul Zanker
Prof. Dr. Valentin Kockel

Titelbild: Basilika von Pompeji. Foto: ElfQrin, CC BY-SA 4.0

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