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2006

Eine Weinlaube in der Wüste

Die Restaurierung des Bikliniums im Siq el-Barid, Beida (Petra), Jordanien

Projektleitung

Aysar Akrawi

English summary

Siq al-Barid („the cold canyon“) lies near the well-known historical Jordan city of Petra and is included in Petra’s inscription as a UNESCO world heritage site. Like Petra, Siq al-Barid – or “Little Petra,” as it is also called – is a Nabataean city carved in rocks. Among the many archaeological findings of Nabataean culture has a biclinium (ancient dining couch) been preserved inside a vault. Its richly decorated ceiling paintings from the 1st century BC depict grapes, vines, birds, and mythological figures. These paintings were long covered by layers of soot and the vault shows traces of attempted theft and graffiti. The Gerda Henkel Foundation funded a project organised by the Petra National Trust in order to clean and preserve the biclinium and study its paintings. Since the project’s successful completion the paintings shine in new splendour and attract many tourists.

Wegen ihrer beeindruckenden Grabtempel mit Monumentalfassaden zwischen tiefen Felsschluchten gilt Petra, die einstige Hauptstadt des Nabatäer-Reiches, als einzigartiges Kulturdenkmal und wurde im Dezember 1985 in die Liste des UNESCO-Welterbes aufgenommen. Nur wenige Kilometer nördlich von Petra liegt der relativ unbekannte Vorort Siq el-Barid („der kalte Schacht“), der auch „Little Petra“ genannt wird. Als Karawanenrastplatz auf der Handelsroute zwischen Mittelmeer und Rotem Meer und als größter Warenumschlagsplatz von Petra kam Siq el-Barid in nabatäischer Zeit jedoch eine viel größere Bedeutung zu als der Name „Klein-Petra“ heute vermuten lässt. Im engen Tal wurden zahlreiche Wohn-, Kult- und Speiseräume in den Fels eingelassen. Grabstätten wie in Petra konnten hingegen kaum ausgemacht werden.

Hervorzuheben ist hier vor allem ein Biklinium, ein Speiseraum mit zwei aus dem Fels gearbeiteten Liegebänken (Klinen). An der Rückseite des Raumes öffnet sich eine Nische, deren Gewölbe mit beeindruckenden Deckenmalereien verziert istDie Verzierungen gelten als eines der wenigen Zeugnisse nabatäischer Malerei und werden in die zweite Hälfte des ersten Jahrhunderts n. Chr. datiert.. Durch Trauben, Weinreben, Blumen, Vögel und mythologische Figuren wurde der Eindruck einer Weinlaube erzeugt. Die Verzierungen gelten als eines der wenigen Zeugnisse nabatäischer Malerei und werden in die zweite Hälfte des ersten Jahrhunderts n. Chr. datiert. Durch eine schwarze Rußschicht und mehrere Zentimeter dicke Ruß-Ablagerungen waren die Malereien im Detail jedoch vor wenigen Jahren kaum noch zu erkennen. Hinzu kam die Beschädigung durch mehrere eingeritzte Graffiti aus dem 20. Jahrhundert.

Südwand Biklinium und Vertiefung vor und nach der Konservierung und Reinigung [Bildquelle: Petra National Trust & the Courtauld Institute of Art]

Um diese seltenen Wandmalereien zu bewahren, wandte sich Aysar Akrawi vom Petra National Trust, einer gemeinnützigen und nichtstaatlichen Organisation zur Erhaltung des kulturellen Erbes Petras, im Jahr 2006 an die Gerda Henkel Stiftung. Ziel eines Projekts des Petra National Trust war es, die Deckenmalereien zu restaurieren, zu schützen und das Biklinium für Besucher zugänglich zu machen. Die mehrjährigen Restaurierungsarbeiten konnten im September 2010 abgeschlossen werden, so dass die Deckenmalereien heute in neuem Licht erstrahlen.

(Den Regler auf den Fotos schieben für die Vorher-Nachher-Ansicht)

Eros bei der Traubenlese, Westseite der Vertiefung, vor und nach der Konservierung und Reinigung

Flötenspieler und Blätter, Ostseite der Vertiefung, vor und nach der Konservierung und Reinigung

Die Restaurierung ging mit einer wissenschaftlichen Untersuchung der Malereien einher. Die technische Auswertung der verwendeten Farben ergab, dass Bleiweiß, Ägyptisch Blau, Kupfergrün, Farberden und organische Farben auf einen gipsartigen Untergrund aufgetragen wurden. An einzelnen Weinblättern konnte sogar eine Vergoldung nachgewiesen werden. Die Ikonographie der Weinreben mit Eroten, Tieren und Blumen kann mit dem Kult um Dionysos verbunden werden, der auf das Gelage unter der Weinlaube im Biklinium verweist.

Eros mit Bogen, Ostseite der Vertiefung, vor und nach der Konservierung und Reinigung

Nach der Restaurierung konnte eine deutliche Zunahme an Touristen im Siq el-Barid verzeichnet werden, wovon auch die einheimische Bevölkerung heute profitiert. Gleichzeitig bedeutet dies auch, dass das Biklinium mit seinen einzigartigen Malereien weiterhin vor Verfall und Vandalismus geschützt werden muss.

Projektinformationen

Projekttitel Preservation and Consolidation of the Wall Paintings in Siq al Barid, Beidha (Petra), Jordan  
Projektleitung   

Aysar Akrawi

Institution Petra National Trust
Fachbereich Archäologie
Datierung 350 v. Chr.

Karte

Projektort
   
Projektleitung
Aysar Akrawi

Alle Bilder mit freundlicher Genehmigung vom Petra National Trust und The Courtauld Institute of Art.
Portrait: Petra National Trust.

2002

Forschung ohne Grenzen

 

1994

Ein 2000 Jahre altes Schiff geht auf Reisen